Merino, Alpaka, Schurwolle: Welche Wolle passt zu dir?

Du stehst vor dem Regal mit den Strickpullovern, und alle sehen warm aus. Dann nimmst du einen in die Hand, und er kratzt schon beim Anfassen. Der nächste ist so weich, dass du ihn gar nicht mehr hinlegen magst. Beides ist Wolle. Warum fühlt sich das so verschieden an?

Wolle ist nicht einfach Wolle. Schurwolle, Merino, Alpaka und recycelte Wolle haben jede ihren eigenen Charakter. Wir erzählen dir, was sie unterscheidet, worauf wir beim Kauf schauen und wie du herausfindest, welche zu dir passt.

Schurwolle: die ehrliche Arbeiterin

Schurwolle heisst so, weil sie vom lebenden Schaf geschoren wird. Sie ist robust, elastisch und warm. Je nach Schafrasse kann sie etwas rauer sein, und genau das macht sie zum idealen Material für Pullover, die du über einem Shirt trägst.

Wenn Wolle direkt auf der Haut liegen soll, darf sie feiner sein. Sonst kann sie kratzen, gerade am Hals und an den Handgelenken.

Merino: fein, weich und mit einer Frage im Gepäck

Das Merinoschaf stammt ursprünglich aus Nordafrika und kam im Mittelalter nach Spanien, wo seine Wolle wirtschaftlich wichtig wurde. Merinofasern gelten als besonders fein. Darum kratzt Merino weniger und eignet sich auch für Teile, die du direkt auf der Haut trägst.

Bei Merino schauen wir immer auf einen Hinweis: «mulesing-frei». Mulesing ist eine vor allem in Australien angewandte Praxis, bei der den Schafen ohne Betäubung Hautstreifen am Schwanzansatz entfernt werden, um Fliegenbefall vorzubeugen. Tierschutzorganisationen kritisieren das stark. Steht «mulesing-frei» auf dem Etikett, wurde darauf verzichtet.

Drei Alpakas in Braun, Weiss und Beige auf einer Wiese

Alpaka: die Kuschelige

Alpakas stammen ursprünglich aus den Anden. Es gibt zwei Typen: Huacaya mit feiner, gleichmässig gekräuselter Faser und Suri mit glatten, gelockten Strähnen. Alpakafasern gibt es in über zwanzig natürlichen Farbtönen, häufig in Braun.

Ein Alpaka-Pullover fühlt sich weich und flauschig an. Er ist eines dieser Teile, die du an einem grauen Sonntag am liebsten gar nicht mehr ausziehst.

Recycelte Wolle: die Zweite-Chance-Wolle

Aus alten Wolltextilien und Produktionsresten entsteht neues Garn. Das spart Rohstoffe, denn es muss nicht neu geschoren und aufbereitet werden. Damit das Garn stabil bleibt, wird recycelte Wolle oft mit anderen Fasern gemischt. Ein Blick auf die Zusammensetzung lohnt sich also.

Alle vier auf einen Blick

Wollart Eigenschaften Gut geeignet für
Schurwolle robust, elastisch, warm, je nach Rasse etwas rauer Alltagspullover, Jacken, Socken
Merino fein, weich, kratzt wenig Teile direkt auf der Haut, feine Strickware
Alpaka weich, flauschig, in vielen Naturfarben kuschelige Pullover, Schals
Recycelte Wolle aus Resten und Altkleidern, oft gemischt wer Ressourcen schonen möchte

Reine Wolle oder lieber eine Mischung?

Viele Strickteile bestehen nicht aus 100 Prozent Wolle. Oft ist ein kleiner Anteil Baumwolle, Seide oder Kunstfaser dabei. Das kann das Garn stabiler machen und den Pullover formbeständiger. Reine Wolle dafür ist oft besonders warm und atmungsaktiv.

Eine richtige Antwort gibt es hier nicht. Es kommt darauf an, wie du das Teil tragen willst: als Arbeitspferd für jeden Tag oder als warmer Begleiter für kalte Wochenenden.

Ein Wollknäuel

Und die Tiere?

Wer Wolle kauft, fragt sich zu Recht, wie es den Tieren geht. Bei Merino ist «mulesing-frei» ein klares Zeichen. Darüber hinaus finden wir: Nachfragen lohnt sich. Woher stammt die Wolle? Gibt es Angaben zur Tierhaltung? Marken, die darauf offen antworten, nehmen das Thema ernst.

Und wenn du ganz auf tierische Materialien verzichten möchtest, ist das genauso in Ordnung. In unserem Beitrag zu veganer Mode findest du Alternativen.

Woran wir einen guten Pullover erkennen

Beim Einkaufen nehmen wir einen Pullover immer zuerst in die Hand und ziehen ihn sanft auseinander. Ein paar Dinge verraten viel:

  • Dichte Strickung: Das Gestrick sieht gleichmässig aus und springt nach dem Dehnen schnell zurück.
  • Saubere Nähte: Schulter- und Seitennähte liegen flach, nichts zieht oder wellt sich.
  • Das passende Gewicht: Dicker Strick wärmt mehr, feiner Strick passt besser unter eine Jacke.
  • Klare Angaben: Die Marke nennt Material, Herkunft der Wolle und Pflegehinweise.

Unser Tipp: Hast du empfindliche Haut, halte den Pullover kurz an die Innenseite deines Handgelenks oder an den Hals. Dort merkst du sofort, ob er kratzt. Und dann: anprobieren. Merino oder feine Alpaka-Qualitäten sind für empfindliche Haut meist angenehmer.

Welche Wolle passt zu dir?

Wenn du dir unsicher bist, hilft diese kleine Orientierung:

  • Du hast empfindliche Haut: Merino oder feines Alpaka.
  • Du willst einen robusten Pullover für jeden Tag: Schurwolle.
  • Du willst Ressourcen schonen: recycelte Wolle.
  • Du willst es einfach kuschelig: Alpaka.

Feiner Merino passt übrigens auch in die Übergangszeit, unter ein Hemd, einen Blazer oder eine Jacke. Ein grober Strick wirkt zu Jeans und Stiefeln gemütlich. Und ein Alpaka-Pullover braucht eigentlich nur eine schlichte Hose dazu. Lieber mehrere dünne Schichten als ein dickes Teil, dann kannst du dich dem Tag anpassen. Mehr dazu im Beitrag zum Zwiebellook.

Wolle braucht weniger Pflege, als du denkst

Das ist vielleicht die schönste Eigenschaft von Wolle: Oft reicht es, den Pullover über Nacht an die frische Luft zu hängen. Wenn du ihn doch wäschst, dann im Wollprogramm oder von Hand mit mildem Wollwaschmittel, und danach liegend trocknen. Pflegeetikett beachten, es geht immer vor.

Wie das genau geht, liest du im Beitrag Wollpullover richtig waschen. Bei Knötchen hilft dir Pilling entfernen. Und im Sommer lagerst du deine Wollteile sauber, gefaltet und luftig, dann haben Motten keine Chance.

Am besten anfassen

Über Wolle kann man viel lesen, aber am Ende entscheidet deine Haut. In unseren Läden in Bern, Schaffhausen und Rheinfelden kannst du Pullover anfassen, vergleichen und anprobieren, so lange du magst. Online findest du Bekleidung für Damen, Pullover und Hoodies für Herren und warme Tücher und Schals.

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